Über “Blind durch Hamburg
Hamburg kann man sehen. Aber man kann die Stadt auch hören, riechen, fühlen und auf ganz andere Weise entdecken.
Bei „Blind durch Hamburg“ erleben sehende Gäste die Stadt für eine Weile ohne Augenlicht. Ausgestattet mit Augenbinde und Blindenstock und begleitet von einem blinden oder sehbehinderten Guide geht es durch ganz unterschiedliche Bereiche Hamburgs. Plötzlich werden Geräusche wichtiger, Untergründe geben Orientierung, Gerüche verraten etwas über die Umgebung und vertraute Orte fühlen sich überraschend anders an. Dabei geht es nicht darum, Blindheit nachzuspielen. Vielmehr möchten wir zeigen, wie Orientierung ohne Augenlicht funktioniert, welche Informationen dabei wichtig werden und wie vielseitig sich eine Stadt auch jenseits visueller Eindrücke wahrnehmen lässt.
Auch blinde Hamburg-Besucherinnen und -Besucher können unsere Angebote nutzen. Auf Wunsch begleiten wir dich durch die Innenstadt oder zu anderen Zielen und unterstützen dich dabei, dich vor Ort zu orientieren. Darüber hinaus bieten wir individuelle Angebote für blinde Menschen an, die Hamburg näher kennenlernen, neue Wege erkunden oder ihren persönlichen Aktionsradius erweitern möchten.
Über Mich
Mein Name ist Christian Ohrens, Jahrgang 1984, seit Geburt blind, abgeschlossenes Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, freier Journalist/Web-, Foto und Videoblogger und seit 2005 glücklicher Wahlhamburger. Schon während meiner Schulzeit in Marburg/Lahn, am einzigen Gymnasium für blinde und sehbehinderte Menschen, wollte ich mehr, als nur meine Nachmittage und Wochenenden in dieser schönen, wenn auch kleinen Stadt zu verbringen. Mir stand schon immer der Sinn danach, Fremde Städte und Länder auf eigene Faust zu erkunden, ohne Reisegruppen oder Spezialangebote für blinde Reisende, quasi so, wie ein normal sehender Backpacker auch. Einige meiner bisherigen Erkundungstouren führten mich nach Budapest, Prag, Wien, Oslo, Stockholm, Kopenhagen, Jekaterinburg, München, Sarajevo, Belgrad, Zagreb oder Dublin. Aber auch nach zehn Jahren in Hamburg gibt es immer noch das eine oder andere Fleckchen, welches ich noch nicht erkundet habe.
Von 2006 bis April 2018 arbeitete ich zudem in der Ausstellung „Dialog im Dunkeln“, einer Ausstellung zur Entdeckung des Unsichtbaren, in der sehende Besucher für neunzig Minuten Alltagssituationen aus der Sicht eines Blinden erleben können. Viele meiner sehenden Gäste äußerten immer wieder den Wunsch, dieses Erkundungserlebnis nicht nur im geschützten Rahmen einer Ausstellung, sondern auch quasi draußen haben zu können.
Dieser Wunsch und die Erfahrung, dass jedoch auch viele andere blinde Menschen in Hamburg ihre Stadt nicht wirklich auskosten und sich nur in ihrem bekannten Areal bewegen, waren der Auslöser, das Projekt „Blind durch Hamburg“ ins Leben zu rufen.
Das Team
Bei Touren mit mehr als einem Gast begleiten und unterstützen mich ebenfalls sehbehinderte als auch sehende, freiberufliche Tourassistenten, die dafür sorgen, dass alle Gäste sicher durch die Stadt gelangen.